Ratgeber

Eigenverbrauch vs. Einspeisung — Was lohnt sich mehr?

Solarstrom selber nutzen oder ins Netz einspeisen? Die Antwort ist klar — doch die Details machen den Unterschied. Wir zeigen, wie Sie den Eigenverbrauch maximieren und wann Einspeisung trotzdem sinnvoll ist.

Auf einen Blick

Eigenverbrauch schlägt Einspeisung klar: Eine selbst genutzte kWh spart CHF 0.20 bis CHF 0.35, die Einspeisung bringt nur CHF 0.04 bis CHF 0.12. Ohne Speicher liegt der Eigenverbrauchsanteil bei 25 bis 35 %, mit Batterie bei 60 bis 80 %. Wärmepumpen, E-Autos und intelligente Energiemanager steigern den Eigenverbrauch zusätzlich.

Warum Eigenverbrauch wirtschaftlich überlegen ist

Die Rechnung ist simpel: Sie bezahlen für Netzstrom in der Schweiz zwischen CHF 0.20 und CHF 0.35 pro kWh (je nach Kanton und Tarif). Wenn Sie Ihren Solarstrom einspeisen, erhalten Sie vom Netzbetreiber nur CHF 0.04 bis CHF 0.12 pro kWh. Jede Kilowattstunde, die Sie selbst verbrauchen statt einzuspeisen, bringt Ihnen also das Drei- bis Fünffache. Bei einer 10-kWp-Anlage mit 10'000 kWh Jahresertrag und einem Eigenverbrauchsanteil von 35 % nutzen Sie 3'500 kWh selbst — das spart rund CHF 875.— bis CHF 1'225.— pro Jahr. Mit optimiertem Eigenverbrauch von 70 % steigt die Ersparnis auf CHF 1'750.— bis CHF 2'450.—. Die Differenz zwischen Eigenverbrauch und Einspeisung ist der wichtigste Hebel für die Wirtschaftlichkeit Ihrer Solaranlage.

Eigenverbrauch ohne Speicher optimieren

Auch ohne teuren Batteriespeicher lässt sich der Eigenverbrauch deutlich steigern. Der Schlüssel ist die Verlagerung von Stromverbrauch in die Sonnenstunden. Lassen Sie Ihre Wärmepumpe bevorzugt tagsüber laufen — viele moderne Wärmepumpen unterstützen ein SG-Ready-Signal, das die PV-Anlage steuert. Heizen Sie das Warmwasser mittags mit Solarstrom auf (via Heizstab oder Wärmepumpenboiler). Starten Sie Waschmaschine und Geschirrspüler über eine Zeitschaltuhr in der Mittagszeit. Ein Energiemanager wie Fronius Smart Meter, SMA Sunny Home Manager oder Solar-Log automatisiert diese Steuerung und erhöht den Eigenverbrauch um 10 bis 20 Prozentpunkte. Besonders wirkungsvoll ist die Kopplung mit einem E-Auto: Laden Sie es tagsüber mit PV-Überschuss über eine PV-optimierte Wallbox. So nutzen Sie bis zu 3'000 kWh zusätzlich selbst.

Batteriespeicher als Eigenverbrauchs-Booster

Ein Batteriespeicher überbrückt die Lücke zwischen Solarproduktion (tagsüber) und Stromverbrauch (abends und morgens). Mit einem 10-kWh-Speicher steigt der Eigenverbrauchsanteil typischerweise von 30 auf 65 bis 75 %. Die Kosten liegen 2026 bei CHF 800.— bis CHF 1'300.— pro kWh Speicherkapazität, also CHF 8'000.— bis CHF 13'000.— für einen 10-kWh-Speicher. Die Wirtschaftlichkeit hängt vom Strompreisdelta ab: Je teurer der Netzbezug und je tiefer die Einspeisevergütung, desto schneller rechnet sich der Speicher. Bei einem Delta von CHF 0.20 pro kWh und 2'500 kWh zusätzlichem Eigenverbrauch spart der Speicher CHF 500.— bis CHF 700.— jährlich. Die Amortisation dauert somit 12 bis 18 Jahre — mit steigenden Strompreisen verkürzt sich diese Frist. Detaillierte Preise und Wirtschaftlichkeitsberechnungen finden Sie auf unserer Kostenseite.

ZEV: Solarstrom im Mehrfamilienhaus teilen

Der Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV) ist für Mehrfamilienhäuser und Überbauungen besonders attraktiv. Im ZEV wird der Solarstrom direkt an die Mietparteien oder Stockwerkeigentümer verkauft — zu einem Preis, der unter dem Netzstromtarif liegt, aber über der Einspeisevergütung. Der ZEV-Betreiber installiert einen intelligenten Zähler pro Teilnehmer und rechnet den Stromverbrauch monatlich ab. Seit der Revision des Energiegesetzes können ZEV auch über Grundstücksgrenzen hinweg gebildet werden, was das Modell für ganze Quartiere öffnet. In der Praxis erreichen ZEV-Projekte Eigenverbrauchsanteile von 50 bis 70 % ohne Batterie, da die Verbrauchsprofile der verschiedenen Haushalte sich gegenseitig ergänzen. Die Rendite für den Anlagenbetreiber liegt bei 4 bis 7 % — deutlich über dem Sparkonto.

Einspeisung: Wann sie trotzdem sinnvoll ist

Die Einspeisung von Überschussstrom ist unvermeidlich — selbst bei optimiertem Eigenverbrauch bleiben 20 bis 40 % Überschuss. Entscheidend ist der Rückspeisetarif Ihres Netzbetreibers: Auf strompreis.elcom.admin.ch finden Sie die aktuellen Tarife. Einige Energieversorger (z. B. EWZ Zürich, IWB Basel) bieten überdurchschnittliche Rückspeisetarife von CHF 0.08 bis CHF 0.12 pro kWh. In Regionen mit tiefen Rückspeisetarifen (unter CHF 0.05) lohnt es sich besonders, in Eigenverbrauchsoptimierung zu investieren. Für grosse Dachanlagen auf Gewerbeimmobilien kann die Vermarktung über den HKN-Markt (Herkunftsnachweise) zusätzliche CHF 0.01 bis CHF 0.03 pro kWh einbringen. Langfristig bleibt die Faustregel bestehen: Maximieren Sie den Eigenverbrauch, und speisen Sie nur ein, was Sie wirklich nicht selbst nutzen können. Lassen Sie sich von unseren geprüften Solarfirmen beraten, welches Modell zu Ihrem Verbrauchsprofil passt.

Praxis-Tipp: Messen Sie Ihren Stromverbrauch über 7 Tage im 15-Minuten-Takt (Ihr Smart Meter liefert diese Daten). So erkennen Sie, wann Ihr Verbrauch am höchsten ist — und können gezielt Lasten in die Sonnenstunden verschieben.

Häufige Fragen

Die Rückspeisetarife variieren je nach Netzbetreiber zwischen CHF 0.04 und CHF 0.12 pro kWh. Seit dem Wegfall der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) für Neuanlagen gibt es keine garantierten Langzeittarife mehr. Die aktuellen Vergütungssätze finden Sie auf der Website Ihres lokalen Elektrizitätswerks oder über die Tarifübersicht der ElCom.